Unsere Kooperation mit den Teenies der BlueBox Siegen

Die Idee

Der Winter 2018 sollte für unser Team eine gänzlich neue Herausforderung bereit halten. Nicht nur wartete unsere erste Filmproduktion einer Episoden-basierten Serie auf uns, sondern ebenso eine ganze Schar von hochmotivierten Jugendlichen. Eine Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtreff “BlueBox” in Siegen bestand schon seit geraumer Zeit. Hier und da traf man sich für kleinere Projekte, sprach über die Zukunft und potenzielle Ideen und kooperierte so vor sich hin. Mohamed “Mo” El-Chartouni, ein ebenso bekanntes wie beliebtes Gesicht in der BlueBox, kam bei einer dieser so vor sich hin kooperierenden Kooperationen irgendwann im Sommer 2018 (ist ja eigentlich auch egal) auf uns zu, und sprach frei heraus: Wie geil findet ihr eigentlich Stromberg? – Ganz lustig eigentlich, wieso? – Ach, ich hab da sone Idee…

Mehrere Monate vergingen. Ja, ungefähr so läuft das doch immer bei kompetenten Brainstormern und Filmproduzenten. Man hat da so eine Idee, und joa. Erst mal nach Hause, Abwasch machen und Game of Thrones bingewatch- WIE, ES IST SCHON NOVEMBER?! Egal, man merkt aber, da tut sich was. Ideen formen sich zu Worten, Worte bilden Sätze und Sätze ergeben schnurstracks schon ein fast fertiges Skript. Man, klingt das einfach. Wieso könnte es nicht immer so laufen? Jedenfalls kamen wir mit Mo ein weiteres Mal ins Gespräch, diesmal ging’s etwas konkreter zu. Stromberg, aber adaptiert auf die Arbeitswelt von Sozialarbeitern. Eine Art Mockumentary mit pädagogischem Mehrwert.

Die Pre-Production

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (kurz BMFSFJ, oder auch BUMMFASSFROJO für die ganz freshen Aristokraten unter uns) war begeistert, und genauso schnell wie das Budget da war, war es auch schon wieder weg. Der Klassiker. Dafür war aber etwas viel besseres da: Eine Serie, die nicht nur einen HAUFEN Spaß während der Produktion gemacht hat (und übrigens immer noch macht, stay tuned for SEASON TWO!! WHAAAAT), sondern den Jugendlichen gleichermaßen wie den Erwachsenen den ein oder anderen Lacher entreißen konnte. Aber was ist DAS denn für eine Zusammenfassung? Zwei Sätze? Das geht doch etwas ausführlicher.

Fangen wir doch da an, wo der typische Ideenfindungsprozess üblicherweise seinen Höhepunkt erreicht – Auf’m Pott. Es muss schon extrem vielversprechend klingen, wenn ich mit heruntergelassener Hose ein Kundengespräch beginne, aber als mich Mo’s Name beim 9gaggen auf meinem Smartphone überraschte (ach kommt schon, als ob ihr einfach nur so da sitzt und wartet, bis alles raus ist…), hatte ich meinen derzeitigen Zustand sowieso vollkommen vergessen. “Luke hör mal, wir müssen uns treffen. Wir können anfangen, zu produzieren!” – MUSIK in den Ohren eines jeden Filmemachers!

8 Seiten Skript

Nur denkt natürlich der geübte Produzent immer etwas weiter als sein Kunde. Wir brauchen ein ausformuliertes Drehbuch. Schauspieler. Geld. Locations. Equipment. Komparsen. Geld. Requisiten. Langanhaltende Motivation. Und Geld. Aber anders als so häufig hakten sich all diese Punkte binnen weniger Tage wie von selbst ab. Das Konzept wird zum Drehbuch? Kein Problem für unsere Laura. Schauspieler? Die BlueBox hat doch genug Mitglieder (bei diesem Vorschlag kräuselten sich schon meine wenigen Barthaare, aber dazu später etwas mehr). Location? Ähm, Hallo? Die BlueBox ist doch perfekt. Equipment? Die Hälfte war schon am Start. Komparsen? Moment, wie war das vorhin mit den Mitgliedern? Requisiten? Naja, solange wir keinen Transformer brauchen, sollte alles vorhanden sein. Und von der Motivation brauche ich gar nicht erst anzufangen, denn ich habe selten Projekte erlebt, bei denen unser Partner beinahe schon (aber eben nur BEINAHE!) hochmotivierter war als wir selbst. Dank des Bundesministeriums waren die Geldsorgen (vorerst) adé – so stand dem ersten Drehtag doch eigentlich nichts mehr im Wege… Oder etwa DOCH?! *VSauce Musik fängt an zu spielen* – Ne, wirklich nicht.

Episode 1 – Die dunkl- ähh, ich meine “Autorität”

Die Produktion der ersten Episode von dem “Jugendtreff” war bei unserem Team mit so einigen Hochpuls-Momenten verbunden. Nachdem das Skript und die Shotlist stand, waren wir an der Reihe. Das erste Mal für eine Stange Geld Equipment per Versand bestellen? Gar kein Problem. Wer braucht schon für eine Cfast II Karte einen Kartenleser. Den gibt’s doch bestiiiiimmt auch bei Saturn. Oder Media Markt? Expert? Meh, wird schon (Hahaha, danke für gar nichts, lokale Elektronik-”Fach”märkte.)

Jedenfalls stand der erste (und hoffentlich auch einzige) Drehtag vor der Tür. Die Blackmagic Pocket Cinema 4K am Start, jedes Teammitglied hatte eine Aufgabe, und die Motivation war hoch. Lediglich eine kleine Sorge blieb vorerst bestehen. Wir haben schon so einige Erfahrungen (ich pack da jetzt einfach mal kein wertendes Adjektiv vor) mit studentischen Statisten und Komparsen für Projekte innerhalb der Uni Siegen machen dürfen – und haben viel daraus gelernt. Wobei, eigentlich nur eines: NIEMALS STUDENTEN. Studenten sind unzuverlässig. Studenten haben kein Pflichtbewusstsein. Studenten haben keine Geduld. Studenten haben keine Disziplin. Studenten sind nunmal Studenten. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber wie wir alle wissen bestätigen diese Handvoll nur die Regel. Und dieses Mal drehen wir mit Jugendlichen. Und wir dachten alle an Fortnite-spielende, Monster trinkende, Soundcloud Rap-hörende Jugendliche. OH wie wir eines Besseren belehrt wurden!

Nicht nur lief der Drehtag vollkommen nach Plan, wir hatten nicht einmal zeitliche Probleme. Das ist wie ein Lottogewinn, nur dass man kein Geld, sondern Erleichterung gewinnt. Die für die erste Episode eingeplanten Jugendlichen, sowie alle miteinbezogenen Mitarbeiter der BlueBox waren genauso pünktlich, wie motiviert und diszipliniert. Jeder hat perfekt und konstruktiv mitgearbeitet, Ideen miteingebracht, ist auf Vorschläge eingegangen und hat sich kleineren Änderungen am Skript schnurstracks angepasst. Wir brauchen noch einen fünften Take, just for safety? Niemand nörgelt herum. So einen Luxus muss man einfach geniessen, solange er anhält. Wir bemerken an dieser Stelle, dass sämtliche Schauspieler, Statisten und Komparsen vollkommen freiwillig und unbezahlt mitgespielt haben. Einfach nur Wahnsinn. Für so eine reibungslose, freundschaftliche Kooperation sind wir unglaublich dankbar!!

Ebenso reibungslos verlief die Post-Produktion. Bis auf die Geschichte mit der Speicherkarte. Erinnert ihr euch noch an den ersten Abschnitt? Nunja, das war unser erster Dreh mit einer Cfast II Karte, und gleichzeitig auch der äußerst wichtige Moment, in dem wir verstanden haben, dass CF nicht die Abkürzung für Cfast, sondern für Compact Flash ist. An dieser Stelle vielen vielen Dank (NICHT) an die unbeschreiblich kompetente (haha, der war gut!) Beratung seitens diverser Elektronikfachmärkte. Nach dem Sonntag-Dreh musste das Equipment bis Montag um 12 Uhr in den Versand gehen – selbstverständlich inklusive der Cfast-Karte. Zu gut, dass wir am Montagmorgen merken, dass wir kein kompatibles Kartenlesegerät besitzen. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, eines zu kaufen, konnten wir uns netterweise an eine andere Siegener Produktionsfirma wenden, um die Daten sichern zu können. Soviel dazu.

Da wir mit Mo, Ralf (dem Leiter der BlueBox) und Didi (dem Protagonisten der ersten Episode) vollkommen auf einer Wellenlänge chillen, bedurfte es keiner gigantischen Änderungsschleife. Der erste Edit kam ausgesprochen gut an, hier und da hatte man natürlich ein paar Wünsche und differenzierende Vorstellungen, aber nichtsdestotrotz kam die erste Episode so gut an, dass sich alle Beteiligten schon immens auf die Produktion der zweiten Episode freuten.

Der Goldene Monaco

Das sollte es für die erste Episode aber nicht gewesen sein. Wir versuchten unser Glück (ich meine, was haben wir schon zu verlieren), und reichten sowohl die erste, als auch die zweite Episode bei der regionalen, studentischen Filmpreisverleihung “Der Goldene Monaco” ein. Nebst diversen privaten Projekten war die Hoffnung auf eine, oder gar mehrere Nominierungen recht groß, und wir wurden lediglich bei der Auswahl etwas enttäuscht (aber dazu in einem anderen Blogeintrag etwas mehr). Wir konnten für Episode 1 auf einen Preis in der Kategorie “Bester Social Spot” hoffen. Die Konkurrenz bestand, wie in so ziemlich allen Kategorien, aus der Filmwerkstatt und CampusTV – zwei Initiativen der Universität Siegen, die sich selbst auf Filmproduktionen im TV- und Cinema-Bereich verstanden. Speziell bei besagter Kategorie ging es für CampusTV um eine kleine Selbstversuch-Doku mit dem Thema “No Waste” – der Versuch, beim Einkauf und der Ernährung vollkommen auf Müllproduktion zu verzichten. Für die Filmwerkstatt trat eine Art Imagefilm über einen Surferverein aus München an den Start. Inwiefern dieser Beitrag (bis auf die umweltfreundliche Produktion der Surfbretter) sozial(-kritischen) Charakter aufweist und damit in diese Kategorie passt, lasse ich einfach mal unkommentiert.

Alle Nominierten der Kategorie ‚Bester Social Spot‘ noch einmal im Überblick

Äußerst schön waren jedoch vollkommen ungeachtet der Nominierung die Reaktionen des Publikums beim Nominiertenabend. Hier wurde jeder nominierte Film einmal in voller (die 10-Minuten-Marke nicht überschreitender) Länge gezeigt, so also auch Episode 1 des Jugendtreffs. Und trotz einiger Bedenken war die Begeisterung groß. Zumindest ließ der Applaus und die unüberhörbar amüsierte Stimmung während der Präsentation kaum Raum für Interpretation. Das war für uns ein extrem gutes Gefühl, denn selbst wenn die Episode keinen Preis gewinnen sollte, so haben wir dafür vom Publikum unglaublich positive Reaktionen erhalten.

Als der Beginn der Gala dann zwei Wochen nach dem Nominiertenabend näher und näher rückte, schlich sich nun doch ein wenig Nervosität ein. Genauso hatten wir so einige Gründe zum Grübeln. Leider waren schon 6 Minuten nach dem Verkaufsstart der Karten für die Gala alles ausverkauft. Unser Team hat gerade noch welche bekommen können, nur blieben Mo und Didi auf der Strecke. Nach einem harten Kampf voller vergeblicher Versuche, noch zwei Karten zu kla- äh ich meine, zu gewinnen, blieb uns nur noch eine Möglichkeit. Nein, wir sind nicht zur Gesamtleitung gegangen und haben eine Handfeuerwaffe auf den Tisch gelegt. Wir sind auf die Knie gefallen und haben gebettelt. Wir brauchten doch nur noch zwei Karten, damit ein motivierter Mo und ein dermaßen durch den Wind aufgeregter Didi wenigstens bei der Gala mit dabei sein können. Und schwupps – keine 12 Stunden hat es gedauert, und plötzlich sind zwei Pressetickets frei geworden. Natürlich war die Freude gigantisch, aber wir haben uns doch etwas gewundert. Verdächtig war dieses unverzügliche Entgegenkommen doch etwas. Haben sie uns noch zwei Karten gegeben, weil wir vielleicht doch gewinnen, und sie nicht wollten, dass jemand aus dem Team fehlt? Oder war das tatsächlich einfach nur Zufall / Hilfsbereitschaft? Man sollte das Gute im Menschen nicht immer außen vor lassen!

Die Aufregung am Abend der Gala nahm dann doch unerwartet große Ausmaße an. Die Kategorie Social Spot war zwar an zweiter Stelle für das Programm des Monacos, aber für uns als Produktionsteam war die Nominierung des Jugendtreffs am allerwichtigsten. Nicht nur, weil wir unseren Film in dieser Kategorie am besten platziert sahen, sondern genauso, weil wir uns für Mo, Didi und all den jugendlichen Beteiligten ganz besonders über einen Pokal freuen würden. Als die Laudatorin unserer Kategorie anfing, zunächst No Waste zu beschreiben, zu loben und zu kritisieren, und mit der Filmwerkstatt fortzufahren, wurden wir alle langsam unruhig. Schon bei der vorigen Kategorie zeichnete sich eine Art Muster bei der Rede heraus, aber sehr bodenständig war unsere Theorie nicht gerade. Immerhin hatten wir nur eine einzige Rede als Argumentationsgrundlage. Und doch nannte der erste Laudator den Gewinnerfilm als letztes. Nachdem die gefühlt 30 Sekunden pro nominiertem Film vorüber gingen und über den Jugendtreff Sätze um Sätze fielen, konnte es so langsam niemand mehr aushalten. Ein vorweggenommenes Ergebnis aufgrund einiger Ausschweifungen löste dann aber doch recht schnell die Spannung. “Laura Nette lieferte mit dem Jugendtreff…” Laura Nette? Ist das nicht ein Teammitglied von uns? Die kennen wir doch! Moment- “… und deshalb geht der Goldene Monaco in der Kategorie “bester Social Spot” an die Episode 1 des Jugendtreffs!” Und dann ging alles ziemlich schnell. Applaus, Bühne, Trophäe, kleine Rede, Klatschen, Lächeln, Freuen, Umarmen, von der Bühne gescheucht werden, hinsetzen, weiterfreuen. Damit war der Abend für uns entschieden – alles andere war egal.

Viel Spaß beim Anschauen und seid gespannt auf die nächsten Folgen! Zu jeder Folge wird es einen weiteren Blog-Eintrag geben.