„Das einsame Wehen einer leichten Brise lässt ominös suspekte Flugblätter durch die Luft tanzen. Die Ruine einer riesigen Villa erstreckt sich im Niemandsland, und allein der Anblick lässt nur die besonders Mutigen in seine Nähe. Oder die Narren. Und unser Narr wusste von Anfang an: Dieser Montag sollte kein friedlicher Montag werden.“

Luke, Regie/Drehbuch
Gruppenfoto Lost Place Contract
Keine Filmcrew sollte sich zu schade für ein Drehschluss-Gruppenfoto sein.

Mit Contract haben wir uns schlussendlich dem Horror Genre hingegeben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis uns unsere filmischen Äuglein richtung gottverlassenes Ödland schicken, um diese ganz besonders beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die man nicht zuletzt aus unschwer erkennbaren Inspirationen, wie Silent Hill, The Evil Within oder gar Supernatural zu kennen und beim Einkuscheln in die Gruseldecke vorm Fernseher zu schätzen weiß.

Welch Schmerz, oh Schmerz!

In satten zwei Drehtagen haben wir uns durch diverse Staus und Störenfriede gekämpft, um die nötige Ruhe zu schaffen, unseren Protagonisten (Daniel Wied) mit Babyöl einzusprühen und vor der Kamera ins richtige Licht zu setzen. Auf die Frage, wie lange er denn noch auf dem kalten, harten Stein knien muss und die darauffolgende Antwort „ein paar Minuten noch..“ folgten lediglich zurecht schmerzerfülltes Stöhnen und Ächzen. Dass das nur zur Stimmung des Charakters beitrug, hat man seitens Regie gekonnt verschwiegen und heimlich hinter der Kamera den deutlich zusammengerissenen Gesichtsausdruck genossen. Wird es die strafenden Blicke wert sein, die ich für das Schreiben dieses Textes von Daniel bekommen werde? Allemal! Keine Sorge, beim nächsten Film bin ich derjenige, der vor dir auf dem Boden kniet. Versprochen.

Ein Licht im Dunkeln

Selbst ein vorher-/nachher-Vergleich könnte nicht einmal anfangen zu beschreiben, wie glücklich mich dieser Frame macht.

Nachdem dann augenscheinlich alles abgedreht war, ratschten und kratzten wir im zweifellos überladenen Fiesta zurück nach Siegen – die Vorfreude auf den Schnitt stieg ins nahezu unermessliche. Jedes mal, wenn man sich Clips auf der Kamera oder im Schnitt erneut anschaute, wurden Lippen feucht und Augen immer größer und größer. Kommentare mit Begriffen, wie „Lichtsetzung“ und „OH MEIN GOTT SIEHT DAS GEIL AUS“ fielen im Überfluss, aber durchaus zurecht – das erste Mal haben wir uns doch tatsächlich Gedanken über Lichtsetzung gemacht. Man sollte meinen, mit zwei winzigen LED Panels auf 60cm Stativen kann man doch sowieso nichts erreichen. Dachten wir vorher auch. Umso strahlender wurden die Gesichter (pun intended), als es On Set dann doch funktionierte. Wieder einmal ein beispielhafter Beweis dafür, dass niedrige bis gar keine Erwartungshaltungen stets für Überraschungen gut sind.

Ein Dunkel im Licht. Ein sehr, sehr langes Dunkel.

18 Stunden Keyframing für knapp drei Sekunden Effekt – Willkommen beim VFX-Design.

Und wie man es von so vielen Filmemachern kennt, lief der Schnitt eher mehr als minder reibungslos und ließ auch nicht lange auf sich warten. Als es dann jedoch zum ersten „After“-Effekt kam und ich gemerkt habe, dass es ohne Rotoscoping nicht funktionieren wird, lag das Projekt automatisch und vollkommen ohne mein eigenes Zutun oder plötzlichem Fehlen von Motivation für mehrere Wochen auf Eis. Sich ein mal richtig aufzurappeln und erneut dranzusetzen sollte doch nicht so schwer sein, oder? Naja, man kennt das ja. Es ist wie mit Hausarbeiten oder dem Einkaufen von Toilettenpapier. „Ach jetzt bin ich gerade nicht mit dem Auto da, da kann ich doch keine 12 Rollen Klopapier schleppen!“ überzeugt man sich dann selbst und benutzt weitere 4 Tage Taschentücher. Immer dasselbe.

Aber schlussendlich landete dann doch ein umumgehbarer Termin im Google-Kalender und nach der schier endlos wirkenden Wartezeit beim Starten von After Effects fielen einem schnurstracks etliche Methoden ein, um den Rotoscope-Vorgang enorm zu beschleunigen. „Man kann doch zumindest frame für frame die Maske tracken lassen, dann muss man sie nurnoch anpassen, anstatt sie komplett manuell zu verschieben. Warum ist mir das nicht vorher eingefallen? Duh..“ Und so lief es dann auch bei den anderen Effekten. Man könnte beinahe behaupten, es war Magie im Spiel. Badum- tssssssssssssssssss.

Und dann der Export einer ersten „finalen“ Version. Ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen und betrachtete voller Vorfreude den voranschreitenden Fortschrittsbalken. Error. Was? Moment.. Error? „Could not process frame at timecode whatever go f*ck yourself because of that and this effect or just cause I don’t want you to feel any happiness in your life!“ Whoa Premiere. Calm down. Selbst wenn das nicht der tatsächliche Wortlaut der Fehlermeldung war, hat sie sich zumindest genau so angefühlt. Ich dachte mir nichts dabei, kann ja mal passieren. Ein erneuter Versuch sollte beweisen, dass das ganze nur Zufall war. Error. Keine 20 Sekunden sind vergangen. Der selbe Müll verspottet mich aus diesem kleinen Fehlermeldefenster, und Panik machte sich im ganzen Raum breit. Muss ich etwa sämtliche Effekte entfernen? Nicht nur die VFX, sondern auch das ganze Grading? Woran kann es liegen?! … … Es folgte eine abgrundtief lange Phase der Depression. Selbstmordgedanken schlichen sich bedrohlich heran und- Na gut jetzt übertreib ich aber. Und doch wollte und wollte es nicht funktionieren. Im Endeffekt musste man Szene für Szene so lange versuchen, zu exportieren, bis es klappte. Dann wurden Alle Szenen hintereinander gepackt und noch einmal exportiert – Jetzt waren schließlich keinerlei Effekte mehr auf den Videospuren. Qualitätsverlust? Minimal, aber vorhanden, dafür jedoch in Kauf genommen. Es funktioniert und sieht gut aus. Zwar mussten bei den ersten internen Feedback-Runden einzelne Szenen aufgrund von Anpassungen erneut exportiert werden (bis es eben funktionierte), aber es war eine Methode, ohne den Film von Grund auf abändern zu müssen.

Endlich ist es nun so weit, und jetzt fehlt nur noch eins: Also schnappt euch eine Decke, schiebt eine Pizza in den Ofen, bereitet euch darauf vor, sie innerhalb von 5 Minuten zu verspeisen und überzeugt euch selbst: