Ein ganzes Musikvideo ohne Budget? Schon wieder?!

Solltet ihr nach dem Lesen anderer unserer Blogbeiträge ein kleines Déjà-vu haben, seid beruhigt – ihr seid nicht verrückt. Ja, wir haben es wieder getan. Und wir sind stolz darauf. Dieses Projekt hat uns nicht nur die wilde Achterbahnfahrt namens 2020 für eine Weile vergessen lassen, sondern gab uns auch die Möglichkeit, unsere Zeit, die wir alle total produktiv in der Quarantäne verbracht haben und uns Bänder, ja ganze Bibliotheken an theoretischem Wissen zur Filmproduktion angeeignet haben, unter Beweis zu stellen. Ein regelrechtes Epos –  eine makellose Symbiose aus Rap und Rock – eine Hommage an die wertvollsten Dichter, die unser Land derzeit kennt wird eure Augen in naher Zukunft benetzen und frohlocken! Das ist natürlich alles gelogen, aber lasst mich, um diesem schamlosen Clickbait gerecht zu werden, etwas ausholen.

Unsere gute Freundin Giulia aus der Studienzeit kam nämlich eines produktiven Tages voller YouTube Tutorials (wem machen wir was vor, ich habe natürlich an der PlayStation gegammelt) mit einem Angebot auf uns zu, das wir nicht ablehnen konnt- äh, wollten. Denn wie sich herausstellte, hat Giulias Partner Matthias aka MAZOK mit seinem Kollegen Bynjamin aka HYYNE ein herausragendes Cover des aktuellen Songs Fame von Apache 207 kreiert. Solltet ihr das Lied nicht sowieso schon kennen, werdet ihr es jetzt sicherlich googlen. Bitte lasst mich an dieser Stelle eines klarstellen: Meinen persönlichen Musikgeschmack hat das Original nicht so ganz getroffen. Im Gegenteil, beim ersten Zuhören habe ich keine 30 Sekunden durchgehalten. Aber seid versichert, hinter diesem Song steckt mehr, als ein Soundcloud Beat und Autotune. VIEL mehr. Und das wurde mir mit jedem weiteren Durchhören immer klarer. Als mich das Cover von MAZOK und HYYNE dann mit seinem Genremix aus Rap und Rock vollkommen überraschte, war ich hin und weg. Die beiden kamen quasi ohne jegliche Hoffnung mit dem Wunsch nach einem Musikvideo auf uns zu – die fehlende Hoffnung entstand durch das leere Portemonnaie. Ähnlich überrascht wie ich über das Cover war Matze dann von unserem Enthusiasmus und der Bereitschaft, zusammen etwas hammergeiles zu produzieren. Entsprechend groß war die Freude beiderseits, aber es musste recht schnell gehen – denn die Single des Originals ist sehr aktuell, und um Reichweite zu maximieren sollte man mit einem Cover nicht allzu lange warten. Deshalb war eine perfekte Planung, ein straffer Dreh und eine effiziente Postproduktion notwendig. Wie wir das alles innerhalb von zwei Wochen ohne großen Stress hinbekommen haben, und wieso es unglaublich wertvoll ist und Unmengen an Zeit spart, wenn der Cutter mit beim Dreh sein kann – das erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Was haben wir uns dabei gedacht?

Eine gesunde Mischung aus urbanen Locations, ausgefallenen Outfits und einer Menge Selbstironie. Das Rezept war vielversprechend und ließ Vorfreude aufkommen. Gepaart mit einer gut strukturierten Drehplanung, sodass wir an bestimmten Orten auch bestimmte Lichtverhältnisse vorfinden (sofern einem das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht), stand einem genauso erfolgreichen wie entspannten Dreh nichts mehr im Wege.

Schon nach unserem ersten Gespräch mit Matze waren wir uns alle einig, dass aus dieser ersten Produktion eine sehr freundschaftliche und entspannte Partnerschaft entstehen kann. Uns ist beim Besprechen erster Details sofort aufgefallen, dass die beiden Jungs zwar schon eine Vision für die Visualisierung im Kopf haben, aber auf der anderen Seite genauso viel Verständnis dafür zeigen, dass bestimmte kreative Entscheidungen lieber den Filmproduzenten überlassen werden sollten, und so gestaltete sich das Austauschen und Verfeinern von Ideen für bestimmte Szenen als ein sehr angenehmes Hin und Her. Mal ganz davon abgesehen, wie unglaublich dankbar die beiden dafür sind, dass wir eine gesamte Produktion vollkommen kostenlos durchführen. Man sollte meinen, dass so etwas nicht extra nochmal erwähnt werden muss – “das ist doch selbstverständlich, oder nicht?”, denkt ihr euch jetzt sicherlich. Leider ist solch eine Menge an Verständnis und Dankbarkeit in dieser Branche alles andere als selbstverständlich. Ein Stück weit kann man Unverständnis natürlich durch Unwissen rechtfertigen. Viele Kunden sind sich wegen heutiger Technik (Smartphones, Konsumer-DSLRs) einfach nicht bewusst darüber, mit was für einem Aufwand eine Filmproduktion in professionellem Rahmen verbunden ist. Wir könnten jedoch noch einen Schritt weiter gehen und darüber philosophieren, was für Auswirkungen das Unwissen über das Unwissen auf die Dankbarkeit hat, die der Kunde zeigt. Aber bleiben wir lieber beim Thema, sonst artet das hier noch aus.

Dadurch, dass Matze und Büny selbst schon erste Erfahrungen in der Filmproduktion sammeln konnten und die beiden auch aus technischer Sicht Expertise in der Musikbranche besitzen, war ich anfangs überrascht davon, wie viel sie bei der Pre- und Postproduktion mit- und vorausgedacht haben. Aber nicht nur, was ihre eigenen Wünsche und ihre Performance betrifft! Auch diverse strukturelle und sogar schnittechnische Details haben die beiden stets bedacht und ihre Gedanken mit uns geteilt – immerhin ist Kommunikation zwischen Kunde und Produzent mitunter das allerwichtigste!

Die Planung stand also nach wenigen Gesprächen, und nur sieben Tage nach dem Kennenlernen stand auch schon der erste und wie wir hofften auch einzige Drehtag an.

Wie haben wir’s gemacht?

In den besagten sieben Tagen vor Drehbeginn hat unsere Konzeptionsexperten Daniel und Sarah in ständigem Austausch mit Matze alle Locations, Uhrzeiten, angesagten Wetterbedingungen, geplanten Shots und benötigtes Equipment akribisch durchstrukturiert und aufgelistet. Ein Schritt, der für einen effizienten Dreh nahezu unabdingbar ist! Auch hier sei noch einmal erwähnt, wie viel Engagement man Matze und Büny angesehen hat: Sämtliche Shots wurden in der Nähe von Matzes Wohnung in Köln geplant, und damit wir uns einen besseren Eindruck für unsere Szenen verschaffen konnten, hat er von jeder Location im Vorhinein Fotos aus allen möglichen Winkeln geschossen, zwischendurch auch mal mit einer Person im Bild. Das mag für den ein oder anderen banal klingen, aber ihr glaubt nicht, wie enorm viel Zeit es spart, wenn man die Licht- und Größenverhältnisse, sowie die Gegebenheiten der Umgebung schon vor Ankunft – und damit auch vor Drehbeginn – beurteilen und darauf aufbauend eine Shotlist anfertigen kann. Und das spart nicht nur Zeit, sondern behält auch eine gewisse Ordnung bei in dem Chaos, das bei Dreharbeiten nahezu vorhersehbar entstehen wird.

Wir haben auch von Anfang an beschlossen, dass unser gesamtes Team beim Dreh dabei sein wird. In diesem Fall stand immerhin der Spaß im Vordergrund, aber ein größeres Team bringt auch diverse Vorteile mit sich. Da Daniel die Hauptkamera übernommen hat, konnten Sarah und Laura sich voll und Ganz auf B-Roll (aka Schnittbilder und Zweitkamera bei Performance-Shots) konzentrieren, Laura hat ordentlich Content für Social Media produziert und ich konnte für meine Postproduktion im Austausch mit Sarah und Daniel eine Art „On-Location Shotlist“ (Patent beantragt) anfertigen – inklusive Notizen, Anzahl der Takes und im Prinzip allem, was man für ein schnelles Sichten braucht. Und das komplett ohne Klappe! Natürlich hatte ich auch sehr leichtes Spiel im Schnitt allein deshalb, weil ich selbst mit beim Dreh war und alles live miterleben konnte. Wenn der Cutter zu so ziemlich jedem Clip einen Gesamteindruck der Situation, Umgebung und Struktur innerhalb aller geplanten Shots hat, spart das Unmengen an Nerven(zusammenbrüchen) im Schnitt! Leider ist solch ein Luxus aufgrund von mangelndem Budget bei vielen Produktionen nicht möglich. In diesem Fall konnten wir jedoch alle unser vollstes Potenzial ausschöpfen, und der Vorteil davon hat sich auch im Laufe des Drehtages und der darauffolgenden Postproduktion bewiesen.

Gestartet haben wir an der ersten Location im Industrieviertel von Deutz um 9 Uhr (+- 45 Minuten, immerhin musste Matze mit einem Roller aufkreuzen und durfte die Autobahn nicht benutzen), und haben in Matzes Bude um ca. 22 Uhr den Dreh erfolgreich und völlig erschöpft beendet. 13 Stunden höchste Konzentration, viel über die Straße Gerenne und dabei aufpassen, dass wir nicht überfahren werden, viel Gesinge, viel Gefahre, viel spontanes Umgeplane, viel alles. Und ich musste dabei nur ein bisschen auf meinem Tablet rumkritzeln und mal hier und da durch die Gegend fahren. Riesen Respekt also vor Allem an Matze, Büny und Daniel! Die beiden Musiker mussten in jedem Shot, egal ob um 9 Uhr morgens oder um 22 Uhr abends makellos vor der Kamera performen – und Daniel ist den ganzen Tag mit einem Gimbal rumgelaufen. Viel Spaß mit dem Muskelkater! 

Nichtsdestotrotz waren wir alle sehr zufrieden, immerhin haben wir alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Es hätte gar nicht besser laufen können – bis wir das Material am selben Abend noch auf einem größeren Bildschirm angeschaut haben…

Schock beim ersten Sichten

Wisst ihr, da wir das Video in einem 2.39:1 Format geplant haben, nutzten wir während der Dreharbeiten am externen Monitor der Hauptkamera eine Hilfestellung, die uns trotz der Aufnahme in 16:9 schon entsprechende Balken am oberen und unteren Rand des Bildschirms anzeigt, sodass das Framing besser sitzt und wir im Schnitt nicht mehr viel korrigieren müssen. Das hat auch wunderbar geklappt, und war tatsächlich eine große Hilfe. Nur haben dicke schwarze Balken die Angewohnheit, dick und vor allem sehr sehr dunkel zu sein. So dunkel, dass man während der Aufzeichnung kaum bis gar nicht mehr hinter die Balken schauen kann. Und dadurch ist uns nicht aufgefallen, dass sich ein gefühlt genauso dicker und genauso dunkler Fleck auf der Linse befand. Und zwar den gesamten. Verdammten. Tag. Natürlich war der Fleck nicht wirklich groß, aber für einen Filmproduzenten verwandelt sich auch der kleinste Fleck sehr schnell in ein Messer und spießt dich gnadenlos auf. Und das allerschlimmste: Du kannst das Messer nicht mehr herausziehen. Du kannst es maximal mit Hautfarbe anmalen und hoffen, dass es keiner sieht. Aber ich bitte euch, wann hat das jemals schon geklappt? Naja, halb so wild. Da der Fleck sowieso unter dem Cinescope-Balken war, verschwand er in den allermeisten Fällen auch im Schnitt, da wir das Framing ja kaum anpassen mussten. Glück im Unglück also, nur haben wir wieder etwas gelernt: Ab und zu sollte man diese Hilfestellungen auch mal ausmachen und kontrollieren, ob alles sauber ist, oder man kann sich im Falle einer DSLR den Kamerabildschirm hin und wieder einmal genauer anschauen, anstatt sich nur auf den externen Monitor zu konzentrieren. Natürlich hat nicht jede Kamera einen eingebauten Bildschirm, weshalb erstere Methode wahrscheinlich etwas schlauer ist. Jetzt denkt ihr bestimmt „Duhhh, ihr Dödel, warum putzt ihr auch nie die Linse??!“ – Glaubt mir, Daniel ist da sehr ordentlich. Er hat sie im Laufe des Drehtages mehrfach gereinigt, es gibt jedoch nun einmal Flecken, da muss man etwas kräftiger drüberwischen.

Trotz des kleinen Ungeziefers überwiegte die Vorfreude auf den ersten Schnitt, denn die Bilder sahen schon in rohfassung ziemlich schnieke aus. Bei dieser Produktion haben wir uns auch (endlich!) aus einem sehr festgefahrenen Mindset befreit. Da wir viele Imagefilme produzieren, bei denen oft genug Close-Ups von wichtigen bzw. interessanten Objekten notwendig sind, hat sich bei uns für‘s allgemeine Filmen eine Art „fälschliches Schönheitsmerkmal“ eingebrannt. Denn wir waren grundsätzlich davon überzeugt, dass ein Bild IMMER schöner ist, je mehr Tiefenschärfe wir einbauen. Dass das totaler Quatsch ist, ist uns bewusst. Und dass das zu Problemen und Schwierigkeiten beim Fokussieren führt, wenn man mal kein Close-Up filmt, sondern bspw. einen Performance-Take im Rückwärtsgang mit Gimbal von einem 3 Minuten langen Lied – dessen sind wir uns ebenso bewusst. Nur hat uns das bisher nie davon abgehalten, die Blende trotzdem so weit wie möglich aufzudrehen, weil Unschärfe GEIL öhhhhh!!!

… Ähem…

Jedenfalls haben wir uns schon vor dem eigentlichen Dreh diverse Musikvideos angeschaut, die genretechnisch in eine ähnliche Richtung gehen. Und dann kam uns die Erleuchtung, die im Endeffekt auch für so schöne, scharfe und trotzdem dreidimensionale Bilder gesorgt hat: Blende 8 ist kein No-Go. Vor allem draußen, und vor allem bei weiten Shots. Und versteht mich nicht falsch: Tiefenschärfe kann sehr schöne Effekte erzeugen, vor allen Dingen bei Close-Ups! Wenn man die volle Kontrolle über den Fokus hat, und es stilmittelgerecht auch Sinn ergibt, viel Unschärfe zu erzeugen (zum Beispiel um ein Objekt besonders hervorzuheben, oder bei einem Fokus-Push/-Pull von einem Objekt zu einem anderen, oder zu einer Person), dann sollte man sie auch nutzen. Nur eben nicht immer. Und für alles. 

Beim Thema Grading gibt es so einiges zu erzählen, was ich aber lieber als extra Kapitel für technisch affine Menschen unten anbiete. Abgesehen von ein paar Details hat den beiden unser Grading auch wunderbar gefallen, und die Finalisierung des Films ging sehr zackig und problemlos von statten. Unser Team freut sich auf alle Fälle riesig auf kommende Projekte mit MAZOK und HYYNE, denn eine so entspannte, aber gleichzeitig seriöse und ernst genommene Zusammenarbeit wissen wir zu schätzen!!

Von Schnitten, Farben und Nervenzusammenbrüchen (OPTIONAL)

Wie vorhin schon einmal erwähnt, hatte ich recht leichtes Spiel beim ersten rough cut. Da wir vergleichsweise wenig Zeit hatten, musste ich jedoch schon vor Beginn des ersten Schnittes eine Entscheidung treffen. Meine Wahl hat sich letztendlich als suboptimal herausgestellt. Zunächst schien es mir jedoch einleuchtend, den Schnitt selbst in Adobe Premiere Pro durchzuführen, um dann in der finalen Phase für das Color Grading nach Blackmagic‘s DaVinci Resolve umzuziehen. Immerhin gibt es genug Workflows, um Timelines von Premiere zu Resolve zu übertragen, um seinen Schnitt dann in Resolve zu finalisieren, richtig? Richtig. Aber dass bei meinen Postproduktionen bisher noch NIE problemlos geklappt hat, konnte mich irgendwie nicht davon abhalten. Wird schon klappen, oder? Nein. Es klappt nicht. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn ich ein paar Clips in einer 16:9 Sequenz hintereinander gereiht hätte, und mehr nicht. Aber kaum arbeitet man mit ein paar Effekten, selbst gebauten Transitions und arbeitet nicht in einer 16:9 Sequenz, zerschießt dir die Übertragung mit allergrößter Wahrscheinlichkeit deine Timeline. Er kann die Clips nicht richtig verlinken, er versteht nicht, dass man in einer 2.39:1 Sequenz geschnitten hat und einige Bilder in der vertikalen verschoben hat, um das Framing anzupassen. Er versteht leider gar nichts. Aber bitte versteht mich nicht falsch: Ich liebe DaVinci Resolve, schneide unglaublich gerne damit und letzten endes bin ich froh, dass wir das Grading dann doch mit Resolve gemacht haben. Es ist einfach nur dieser unglaublich fehleranfällige Workflow bei der Übertragung. Da schneide ich lieber direkt in Resolve, denn auf die Möglichkeiten bei der Farbbearbeitung möchte ich nie wieder verzichten. 

Aber gehen wir nochmal ein paar Schnit- äh, Schritte zurück. Den ersten Schnitt habe ich also mit Premiere gemacht, da ich schon jahrelang damit arbeite und meine Routine inzwischen gefunden habe. Dementsprechend effizient kann ich damit arbeiten, und weiß ganz genau, was für Effekte ich brauche, um bestimmte Stilmittel zu erzeugen. Ein Beispiel dafür sind die paar Glitch Transitions, die ihr später im Video sehen werdet. Natürlich hätte ich die auch mit Resolve basteln können. Es hätte einfach nur etwas länger gedauert – im Nachhinein weiß ich aber, dass es nicht so viel länger gedauert hätte, wie ich vorher befürchtet hatte. Das nächste Mal werde ich also etwas offener gegenüber dieses für mich noch recht neuen Schatzes namens aus dem Hause Blackmagic sein. Versprochen! Jedenfalls habe ich Matze und Büny den ersten Edit nach dem Drehtag an einem Donnerstag für „im Laufe der kommenden Woche“ versprochen. Im Endeffekt hatte ich die erste Version schon am Freitag fertig, und habe sie nach einer internen Feedbackrunde mit dem restlichen Team am Samstag schon an die beiden Musiker geschickt, die natürlich schon auf heißen Kohlen saßen. Die erste Reaktion in Form einer Sprachmemo von Matze, der sich die erste Version mit Giuli zusammen angeschaut hat, werde ich nie vergessen. Wenn man so Sachen hört, wie „wir sind aufgesprungen vor Begeisterung“, kann man sich das Grinsen einfach nicht verkneifen. Selbstverständlich gab es dann die ein oder andere Feedbackrunde, aber grundsätzlich waren die Jungs unglaublich happy mit dem allgemeinen Stil. Dementsprechend happy waren wir, dass die Chemie so schön stimmig ist!

Nun zurück zum Color Grading. Daniel wollte mir sehr gerne bei der Farbbearbeitung helfen, da er sich nicht nur recht gut mit Resolve auskennt und schon so einige effiziente Color Grading-Workflows verinnerlicht hat, sondern auch weil er sich einfach sehr gerne mit dem Grading beschäftigt. Im Endeffekt haben wir den fertigen Schnitt als verlustfreie MXF-Datei aus Premiere exportiert, und sozusagen als finale Videodatei in Resolve importiert. Glücklicherweise hat Resolve ein passendes Feature (wie oft habe ich diesen Satz schon gehört/gesagt, in Bezug auf alles mögliche, was das Programm alles kann…), das Schnitte in einer fertigen Videodatei erkennen kann und dir auf dieser Grundlage eine Sequenz vorbereitet. Das hat auch erstaunlich gut geklappt, hier und da mussten wir noch ein paar Schnitte nachsetzen bzw. verschieben, aber ich war sehr positiv überrascht, wie akkurat das Programm die Bilder unterscheiden kann, und selbstständig Schnitte setzt. Es scheint fast schon so, als ob Resolve wüsste, dass der Workflow mit übertragung der Timeline von Adobes Schlachtschiff hin zu Blackmagic‘s U-Boot der allerletzte Rotz- ich meine natürlich eher weniger gut funktioniert – und dementsprechend einen eigenen Workaround implementiert hat. Das Grading selbst hat zwar etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich erwartet hatte, jedoch war es das allemal wert. Bei diesem Projekt habe ich sehr viel gelernt, was bspw. die Anpassung von Hauttönen als sekundäre Color Correction angeht, oder was man noch alles aus einem bewölkten und scheinbar ausgebrannt wirkenden Himmel an Details herausholen kann. Diese ganzen, unglaublich wichtigen, präzisen Anpassungen würden zwar auch direkt in Premiere funktionieren, das war uns beiden klar. Nur ist Resolve nicht umsonst als standalone Color Grading Programm gestartet, denn das zeigt sich sowohl im User Interface und Workspace, als auch in der Performance und den Anpassungsmöglichkeiten. Das gemeinsame Arbeiten an den Farben hat nebenbei auch noch sehr viel Spaß gemacht, vor allem weil wir durch vorige Absprache mit Matze und Büny schon wussten, in welche grobe Richtung wir farblich gehen wollen. Letztendlich hat das Grading beinahe mehr Zeit in Anspruch genommen, als der eigentliche Schnitt – aber das sollte auch gar keine Überraschung oder Seltenheit sein!