Ein Land geprägt von Feuer und Eis

Geysire. Vulkane. Gigantische Berge und Täler – Island ist ein Traumziel vieler Filmproduzenten. Im April haben Daniel und ich kurzerhand einen Wagen gemietet, 6 AirBnB’s gebucht, unsere Kamera eingepackt und sind für 10 Tage durch Licht und Dunkelheit gereist. Lasst mich vorab schon einmal eine ernsthafte Warnung aussprechen: Solltet ihr vorhaben, euch die schier unendlichen Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die diese Insel zu bieten hat, nicht nur anzuschauen, sondern sie auch auf Film oder Foto festzuhalten: Plant mehr als 10 Tage ein, sonst habt ihr keine Ruhe.

Was sich alles in unserem Rucksack wieder gefunden hat, was für tolle Orte wir bereist haben und was auf dem Weg dorthin alles rund und schief gelaufen ist – das erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Feuertaufe für die GH5

Kurz vor Antritt unserer Reise hat Panasonics Lumix GH5 mitsamt einem Sigma 18-35mm 1,8f Objektiv den Weg in unsere Hände gefunden, und kurz nach dem Antritt durfte das neue Prachtexemplar die volle Dröhnung Wind und Wetter spüren. Aber dazu kommen wir etwas später. Neben der GH5 war der Inhalt unserer Koffer möglichst spärlich gesät: Eine Zweitkamera darf natürlich nicht fehlen, und ein einziges Objektiv wird dem Ausmaß eines Islands auch nicht würdig. Unsere Packliste für den Roadtrip sah also folgendermaßen aus: Kameras: Lumix GH5 & Lumix G70. Objektive: Sigma 18-35mm 1,8f, Panasonic 25mm 1,7f & Panasonic 42,5mm 1,8f. DJI Mavic Pro & ein Reisestativ.

TIPP FÜR TECHNISCHES EQUIPMENT AM FLUGHAFEN:. Alle Kameras, Akkus, Objektive, Laptops und Ladegeräte müssen bei der Sicherheitskontrolle aus dem Rucksack in Kisten gelegt werden. Deshalb sollte das ganze Equipment am besten so eingepackt sein, dass es schnell und einfach aus- und wieder eingepackt werden kann.

Das Filmen und Fotografieren in Island kann so einige Hindernisse bieten, und das nicht nur aufgrund des Wetters. UV- oder ND-Filter dienen nicht nur makellosem Videomaterial, sondern auch dem Schutz der Linsen. Glücklicherweise ist die GH5 spritzwassergeschützt, so konnten wir uns Wasserfällen und Geysiren problemlos bis auf wenige Meter nähern – von unserer eigenen Sicherheit einmal abgesehen. Es wurde viel unter Regeneinfall gefilmt, dabei hat die Kamera deutlich besser standgehalten als unsere Kleidung. Trotz allen tollen Features sollte jegliches Equipment nach einem Shooting oder Dreh unter sauberen und warmen Bedingungen sofort getrocknet und von Sand, Krümeln und anderem Dreck befreit werden. Und das ist nicht nur auf Arbeiten in unmittelbarer Nähe direkter Umwelteinflüsse bezogen – auch bei den teilweise unbefestigten Wegen, steilen und nassen Hängen oder eisigen Böden, die die vielen sehenswürdigen Orte vor schaulustigen Touristen beschützen, sollte vorher geprüft werden, ob ihr und euer Equipment für solch einen steinig schweren Weg gewappnet seid.

Vom Flugzeugwrack über Wasserfälle zu schwarzen Stränden

Was wäre das für ein Roadtrip gewesen, wenn wir nicht einige ziemlich coole Spots und Sights besucht und entdeckt hätten. Die wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten: Abseits der Tourbusrouten und Hauptstraßen gibt es nämlich auch kleine, natürliche, heiße Quellen. Eine sehr angenehme und vor allem kostenlose Alternative zur Blue Lagoon, die zeitweise vollkommen überlaufen, und dazu auch noch künstlich angelegt ist.

Island ist das Land der Wasserfälle. Dabei fehlt es an gar nichts. Ihr könnt oben an der Kante eines Wasserfalls stehen. Ihr könnt sogar hinter einem Wasserfall herlaufen! ODER Ihr könnt unter einem Wasserfall stehen, der in einer dunklen Höhle durch eine einzige Öffnung in der Decke herunter fällt!! Damit habt Ihr nicht gerechnet.

Bild 1: Gljúfrafoss. Bild 2: Seljalandsfoss. Bild 3: Skógafoss

Das zwar sehr bekannte, aber zur richtigen Zeit trotzdem sehr leere Flugzeugwrack erreicht Ihr nach einem etwa 3 km langen Spaziergang über den schwarzen Strand. Egal bei welchem Wetter oder zu welcher Tageszeit, hier staunt Ihr so oder so.

Landschaftlich haben den beiden zwei Gegenden am besten gefallen. Zum einen Stokksnes. Eine Landzunge mit besonders geformten, kleinen, schwarzen Dünen und beeindruckenden, steilen Bergen direkt am Meer. Als Privatland verlangt es einen kleinen Obolus Eintritt, es lohnt sich aber dennoch allemal. Auf der anderen Seite wäre da noch Akureyri. Wir sind spontan einen ganzen Tag lang die Nordküste entlang gefahren und haben dort die schönsten Buchten und Gebirgszüge gesehen.

Filmen ohne Konzept und unter Zeitdruck

Großer Leichtsinn zu Beginn der Reise sollte unserem Team während der Postproduktion noch zum Verhängnis werden, denn wir sind ohne ausgearbeitetes Konzept für einen Travel-Film aufgebrochen. Im Vordergrund stand immer noch der Urlaub, wir wollten nebenbei einfach die schönsten Momente der Reise einfangen und im Nachhinein in einem kleinen Filmchen zusammenfassen – klingt toll in der Theorie, aber die Praxis sieht anders aus. Für den Schnitt kamen Luke und Laura zur Hilfe und den vieren ist sehr schnell aufgefallen, dass so einige Bilder schlicht und ergreifend fehlten, mit Hilfe derer ein besserer roter Faden für einen Film hätte erzeugt werden können. Eine Empfehlung also an dieser Stelle: Macht Euch vor Antritt einer größeren Reise Gedanken zu einer möglichen Geschichte. Versucht, Euch so gut es geht mit den Gegebenheiten, Sehenswürdigkeiten, der Kultur und den Möglichkeiten eures Zielortes vertraut zu machen, um schon vorher bestimmte Shots planen zu können, die Ihr für Eure Geschichte braucht. Natürlich lässt sich nicht alles im Vorhinein planen. Macht Euch darauf gefasst, Eure Pläne kurzfristig auch über Bord zu werfen, sei es aufgrund Wetterbedingungen oder sonstigen Hindernissen – aber besonders aus spontanen Ideen sprießen oft die besten Bilder.

Dinge die beinahe schief gegangen wären

Kennt Ihr auch dieses Gefühl, wenn man vollkommen unschuldig und nichtsahnend am Flughafen durch die Sicherheitskontrollen spaziert, nur um daraufhin positiv auf Sprengstoff getestet zu werden? Nein? Probiert es mal aus, es lohnt sich. Nicht. Daniel hatte die Ehre, von Sicherheitsbeamten samt Maschinenpistolen nach seinen Personalien befragt zu werden, währenddessen geriet Sarah schon in Panik. Der Urlaub fing immerhin schon spannend an, es kann ja nur noch besser werden. Ein zweiter Abstrich stellte sich als negativ heraus und wir beide durften ohne weitere Zwischenfälle unsere Reise nach Island beginnen. Nunja, bis auf diesen einen blöden Moment, als das Flugzeug beim Start dachte, es hätte etwas überrollt oder gerammt. Eine vollkommen natürliche Reaktion auf einen leichten Schlag, den alle Passagiere spüren durften, aber angenehmer machte es die Situation nicht gerade. Noch bevor die Startbahn erreicht war, drehte das Flugzeug wieder um. Der Pilot und seine Crew wollten mal eben checken, was da vorgefallen ist. Drei Stunden und diverse vergebliche Versuche, nachzutanken später durften es sich schließlich alle wieder im Flugzeug gemütlich machen. Zwar waren es inzwischen 120 Grad heiß und die Luft war so dick, dass man sie in Scheiben schneiden konnte, aber wenigstens konnte die Reise endlich los gehen.

Als vorbildlicher Mietwagenfahrer möchte man natürlich das Auto so sauber wie möglich wieder zurück geben. Gerade in Island sammelt sich am Auto viel Dreck und Schotter. Zum Glück gibt es an den meisten Tankstellen Bürsten und Wasser mit denen man das Auto reinigen kann. Blöd nur, wenn sich genau in dieser Bürste dann ein Steinchen verfängt und man froh und munter damit einmal die komplette Motorhaube von oben bis unten abschrubbt. Bei der Abnahme war Daniel von dem gigantischen Kratzer dann sehr überrascht und ging erstmal davon aus, jemand hätte das Auto mit einem Schlüssel zerkratzt. Dass er das ganze selbst verursacht hat, soweit hat er nicht gedacht.  Zum Glück war der Mitarbeiter von Budget sehr nett und schrieb diesen Schaden einem früheren Unfall zu.

Als wir in einem der AirBnBs angekommen waren, wollte ich nach einem erfolgreichen Drehtag erst einmal ein Backup der Speicherkarten erstellen – sicher ist sicher. Als dann eine Speicherkarte fehlte und in keinen Kameras, Taschen und Jacken zu finden war, war der Schreck natürlich groß und die Hoffnung eigentlich schon verloren, schließlich hätte die Karte auf dem kompletten Trip des Tages überall verloren gegangen sein. Doch als wir den nächsten Tag weiter fahren wollten ging Daniel noch einmal nichtsahnend um das Auto herum. Und was lag da im Dreck, direkt neben dem Reifen? Die Speicherkarte, weitestgehend unversehrt und einsatzbereit. Roadtrip und Material gerettet!

Was nehmen wir aus diesem Trip mit?

-> Mit einer guten Planung vorab (Mietwagen, Unterkünfte, Routenplanung, Lebensmitteleinfuhr) kann viel Geld gespart werden, denn Island ist sehr teuer.
-> Das Wetter ist unberechenbar, rechnet mit plötzlich gesperrten Straßen und Planänderungen. Daher sollte auf jeden Fall genug Zeit eingeplant werden. Solltet ihr ein ganz besonderes Ziel haben, dann plant am besten vorab mehr Zeit dafür ein + Allrad!
-> Wir haben die coolsten Air BnB’s an tollen Orten entdeckt und auch die coolsten Leute mitten im Nirgendwo getroffen.
-> Sollte ein Travelfilm geplant sein, dann sollte dieser schon im Vorhinein gründlich geplant worden sein. Nachdrehs sind eher unwahrscheinlich und der Schnitt fällt deutlich leichter. Wenig Equipment! Möglichkeit um Equipment zu trocknen. Turi Spots sind überlaufen → einfach in die Natur fahren (ganz alleine).
-> Ein Urlaub sollte nicht komplett vom Filmen und Fotografieren abhängig sein, Entspannung gehört auch dazu.
-> Personen die nicht dabei waren haben vielleicht gute Ideen für den Film, denn sie sehen das Material neutraler.

Hier ist übrigens unser fertiges Video, welches wir erst nach knapp ein Jahr mit unserem gesamten Team fertiggestellt haben. Danke an Laura für die Mithilfe bei der Szenenwahl, Luke für den Schnitt und das Sounddesign, sowie Jörn für die Komposition der Musik. Viel Spaß beim anschauen.