Ein ganzes Musikvideo ohne Budget? Schon wieder?!

Nach unserem Versuch, Leas Cover von Taylor Swifts “Look what you made me do” vollkommen pleite ein nicht ganz so vollkommen amateurhaftes Musikvideo zu verleihen, brannten uns bei Leas zweitem Cover natürlich die Finger. Dieses Mal soll alles besser werden. Wir haben uns weiterentwickelt. Wir sind schlauer. Kreativer. Schneller! Besser!! … Und unser Portemonnaie ist immer noch vollkommen brach.

Gestoppt hat uns das keineswegs, im Gegenteil. Denn mehrere Monate nach der Produktion des ersten Videos haben wir nicht nur massig Praxiserfahrung in Sachen Storytelling, Kameraführung, Schnitt und Color Grading sammeln dürfen, wir haben für das neueste Musikvideo auch unsere Beziehungen spielen lassen. Für Leas Cover des Liedes “Leiser” von… nunja, Lea (der richtigen Lea), waren unsere eigenen Ansprüche an ein begleitendes Video deutlich höher. Das Grundprinzip eines soliden Musikvideos wollten wir damit nicht neu erfinden, doch setzten wir die Latte für den schon zuvor im Blogeintrag zu “Look what you made me do” besprochenen Produktionswert (oder production value, wie ihn viele von Euch garantiert besser kennen werden) für das kommende Produkt deutlich höher.

So zumindest alles in der Theorie. Ob wir unsere Nase letztendlich mit Stolz oder doch mit Scham wieder aus den Wolken gezogen haben, erfahrt ihr hier. Viel Spaß!

Was haben wir uns dabei gedacht?

Dank unserer nagelneuen GH5 aus Panasonics Lumix-DSLM Reihe boten sich uns gänzlich neue Möglichkeiten. 10-bit Farbtiefe und VLOG-Bildprofil für noch krassere Farben! GH5 in Kombination mit Gimbal für superepische Kamerafahrten! Aber für krasse Farben und epische Fahrten brauchten wir erst einmal etwas, das wir episch-krass in Szene setzen können. Ein neues Konzept musste her – gut, dass ein neuer Song auch neue Ideen mit sich brachte. “Leiser” erzählt von einer verkorksten Beziehung und einer Persönlichkeit, die aufgrund von äußerlichem sozialen Druck und inneren Konflikten nicht mehr genau weiß, wie sie mit ihrem direkten sozialen Umfeld umgehen soll. Aber Moment. Zu einer Beziehung gehören doch mindestens zwei Leute, oder? Das bedeutet, wir brauchten mindestens zwei Protagonisten. Aber eben dieser Umstand konnte dem Film eine narrative Tiefe verleihen, die unser erstes Musikvideo nie hätte erreichen können. Wie wir das genau geschafft haben, erzähle ich später. Neben einer waschechten Story mit mehreren Protagonisten gehört zu diesem Video, passend zum Songtext, aber auch eine zweite Ebene. Einerseits geht es um die komplizierte Beziehung zwischen zwei Menschen, andererseits um die Situation unserer Protagonistin gegenüber ihrem Freundeskreis. Das ganze bildlich darzustellen und nebenher noch unserem Grundpfeiler, Lea in diversen Szenen singen zu lassen, ist kein Klacks. Wir brauchten Statisten, mehrere interessante Locations, gute Lichtsetzung für eine ganz bestimmte Atmosphäre und einen ausgefuchsten Drehplan. Denn befreundete oder bekannte Schauspieler/Statisten mögen die Rolle zwar noch so gerne für lau übernehmen, man möchte sie dann doch nicht Tage oder sogar Wochenlang ihrer wertvollen Zeit berauben. Empathie gegenüber seinen Produktionspartnern, seien es nun Schauspieler, Kameraleute oder der Kunde selbst ist ganz besonders wichtig. Nur, weil Ihr sie eventuell bezahlt, aber vor allem wenn ihr das nicht tut, solltet Ihr stets bemüht sein, keinen Geduldsfaden überzustrapazieren. Natürlich möchte man als Produzent jeden Shot bis ins kleinste Detail perfektionieren, und dreht dafür nicht nur zwei, sondern gerne auch mal acht bis zwanzig Takes, aber an einem gewissen Punkt ist einfach nicht mehr drin, selbst wenn der Shot nicht so aussieht, wie Ihr ihn euch vorgestellt habt. Dann liegt es oftmals nicht nur an einer Person. Vielleicht hilft eine kurze Pause, oder Ihr verschiebt den Take und kümmert Euch erst einmal um etwas anderes. Auf alle Fälle ist es wichtig, solch einen Punkt kommen sehen zu können (und glaubt mir, er wird kommen), um dann entsprechend elegant und gegenüber des restlichen Teams möglichst mitfühlend damit umgehen zu können.

Wie haben wir’s gemacht?

Stress will niemand, aber ab und an gehört er nun einmal dazu. So auch bei unserem Musikvideo, für das wir Lea und ihren Partner bei einigen Szenen absichtlich in ein Streitgespräch verwickeln mussten, um die richtige Mimik aus ihnen herauszubekommen. Natürlich alles auf transparenter Basis, die beiden wussten genau, was sie tun mussten – es ist aber oftmals einfacher, sauer und böse dreinzuglotzen, wenn man sich tatsächlich streitet. Method acting und so. Apropos Leas Partner: Anfangs habe ich einmal erwähnt, dass wir dieses Mal unsere Vitamin B-Dose ausgegraben haben und uns professionelle Verstärkung an Land rufen konnten. Neben Lea spielte nämlich Sebastian ihre bessere (oder eher schlechtere) Hälfte. Dank seiner Erfahrung im Theater und als Fashion-Model konnte er für uns den abgefuckten Boyfriend mit Glanz und Gloria darstellen – er war nahezu perfekt für die Rolle und hat entsprechend performt. Das war aber nicht die eine Beziehungs-Pille, die wir eingeworfen haben: Für eine etwas spannendere Location konnten wir Boran nach seinem Siegener Club, dem Wolkenkuckucksheim fragen. Aufgrund seiner Vergangenheit als siegener MeWi-Student und langjähriges Mitglied bei CampusTV war er entsprechend offen gegenüber unserer Anfrage. Da spielte natürlich Glück keine kleine Rolle, aber das ist sehr oft in dieser Branche der Fall, besonders wenn es mal spontan sein soll. Da wir hier aber an kein festes Budget gebunden und zeitlich sehr flexibel waren, konnten wir uns an Sebastians, Leas und dem Zeitplan von Leas Freundinnen anpassen. Letztere haben die Rolle als Komparsen für, nunja, Leas Freundinnen übernommen. Da hier insofern keine große schauspielerische Leistung gefordert war, als dass wir keine (hörbaren) Dialoge oder wirklich schwerwiegende emotionale Ernstfälle drehen mussten, haben wir aus dem, was wir hatten, eben das beste herausgeholt. Lea und Sebastian haben als zerstrittenes Paar in diversen Situationen super harmoniert, natürlich hatte besonders Lea eine ganz eigene Vorstellung des Films und ihrer Figur darin, entsprechend wusste sie auch, wie sie sich in den gemeinsam konzeptionierten Szenen verhalten und wie sie mit Sebastian interagieren musste. Die deutlich größere Varianz an Locations, sowohl was Story-Elemente, als auch Leas Gesang angeht, und die schauspielerische Leistung aller Beteiligten hat aus unseren Ideen letztendlich ein Musikvideo kreiert, das sich meiner bescheidenen Meinung als Cutter nach durchaus sehen lassen kann.