Lost and Found

Keine Sorge, ich werd’ hier die nächsten paar Zeilen nicht über ein Fundbüro schwärmen. Es soll um sogenannte Lost Places gehen. Orte, die für eine ganze Weile lang sehr belebt waren und es nun nicht mehr sind, oder aber auch Orte, die noch nie belebt waren, und deshalb auch sehr schwer zu finden sind. Zu ersterem zählt die Homburger Papiermühle, die verwirrenderweise nicht in Homburg, sondern in Nümbrecht steht. Und fällt. Zumindest teilweise, denn diese Mühle hat zwar erst vor 13 Jahren, also 2007 die Produktion komplett eingestellt, steht dort aber schon seit über 250 Jahren und zerbröselt so vor sich hin.

Falls Ihr schon das ein oder andere Mal mit Film und Fotografie, vor Allem im Fashion-Bereich, zu tun hattet, sollte Euch der Begriff Industrial etwas sagen. Dieser ganz eigene Stil mit oftmals großem Kontrast zwischen der Location und dem fotografierten Objekt oder Subjekt bietet einen gewissen Reiz, den ein Shooting im Wald oder auf der Wiese nebenan nicht bieten kann. Diese Gegensätzlichkeit, wenn ein Schuh-Model auf einem dreckigen Bagger an der Baustelle oder an einem verrosteten Stahlcontainer am Hafen posiert, bringt etwas verbotenes, fast schon abenteuerliches mit sich. Die Logikfrage, was dieses Model da überhaupt zu suchen hat, spielt wenn überhaupt erst eine Rolle, nachdem das Produkt, sei es ein Foto oder ein Werbespot, schon seine Wirkung beim Zuschauer entfalten konnte. Nämlich, durch die vorhin erwähnte Polarität die ungeteilte Aufmerksamkeit auf das gewünschte, eindeutig herausstechende Objekt zu lenken. Die erzeugte Atmosphäre der Umgebung verleiht dem Ganzen nochmals ein Gefühl von (und das klingt jetzt weit hergeholt, aber unterbewusst denken wohl viele so, sonst würde solche Werbung ja nicht funktionieren): “Was? Dieses super sportliche Model trägt ausgerechnet Nikes, nachdem sie heldenhaft auf einen Kran klettert und in atemberaubender Höhe viel zu erotisch posiert? DIE SCHUHE MUSS ICH AUCH HABEN!” – Tja, und Ihr dachtet schon das artet hier in einer Facharbeit aus, so eloquent wie ich mich vorhin hier artikuliert habe. Gut, dass das Thema vom Tisch ist. Oder eher von der Arbeitsplatte.

So, jetzt wo das Niveau wieder ganz unten ist, können wir ja zurück zum eigentlichen Thema kommen. Seit einiger Zeit wird die Homburger Papiermühle wieder genutzt, aber nicht etwa als Fabrik, sondern als Event-Location für Hochzeiten und Fotografie-Sessions oder Dreharbeiten. Moment, Hochzeiten? In einer verlassenen Fabrik? Ganz recht, aber dafür wird ein separater Raum extra hergerichtet, damit die Gäste nicht vom verstaubten Boden essen müssen. Der gesamte Rest der Fabrik ist nach einer Anmeldung und einer Gebühr von 50€ pro Fotograf (Models kommen kostenlos rein!) frei begehbar, und wurde auch seit dessen Schließung kaum verändert – entsprechend gilt Erkunden auf eigene Gefahr! Und Erkunden ist hier auch das richtige Wort, denn das Gelände ist riesig. Es gibt extrem viel zu entdecken, bestimmte Accessoires und Requisiten, wie bspw. alte Sofas oder eine autarke Badewanne wurden natürlich etwas hergerichtet, um einige besondere Shots möglich zu machen. Der Rest bleibt aber unberührt, und bietet durch viele alte, vergilbte, teilweise zersplitterte Fensterscheiben ganz besondere Lichtstimmungen. Egal ob riesige Steinkessel, uralte Sportwagen und Militärfahrzeuge, große Hallen mit zerstören Säulen und riesigen Löchern im Boden oder dunkle, verzweigte Gänge und viel zu steile Stahl- und Steintreppen – hier gibt’s die volle Dröhnung Industrial.

Das haben sich Laura und Luke natürlich nicht entgehen lassen und sind mit ihrer Kollegin und Hobby-Model Ina einmal durch die Mühle spaziert: Laura als Fotografin, Luke als Kameramann. Entstanden sind viele extrem coole Fotos und ein kleiner Spot, bei dem man einen guten Eindruck für die tolle Location, und einen viel besseren Eindruck für das atemberaubende Model bekommt.

Achja, wisst Ihr, was das Das Beste an der Location ist? Durch die regulierte Anmeldung ist der Ort nie überfüllt, im Gegenteil. Wir haben uns auf unserer Suche nach schnieken Spots sogar teilweise verlaufen, dachten zwischendurch, wir hätten uns eingesperrt und hatten fast schon Schiss bekommen. Da kommt die nächsten paar Stunden nämlich erst einmal niemand vorbei, um Dir hinaus zu helfen. Achtet also auf gefährliche Stellen und Euren Handyempfang. Wenn der auch noch weg ist, wird’s brenzlig. Aber wie war das vorhin mit Abenteuer?

Wie auch immer, wir wünschen viel Spaß mit dem Filmchen: